ROJAVA

General-Dufour-Str. 60 | 2502 Biel

Ein hoher Klang mit schnell schwankenden Tönen, die Ululation, fliegt wie ein Pfeil durch den Raum. Mädchen in Trachten tanzen, zu kurdischen Volksliedern, den Govend. Im Hintergrund ein Bild von Abdullah Öcalan, Gründer und Führer der PKK, für die meisten Kurd:innen aber viel mehr als das. Für sie gilt er als philosophischer Vordenker der kurdischen Befreiungsbewegung und gab Frauen die Gleichberechtigung, die sich viele in Europa wünschen. So soll zum Beispiel jedes öffentliche Amt immer von einer Frau und einem Mann gemeinsam besetzt werden. Mehrheitlich inoffiziell umgesetzt, da eine Doppelbesetzung von vorherrschenden Regierungen grösstenteils nicht anerkannt wird. Nazans Frage auf Deutsch «Kennst du den Ruf?» bringt mich zurück nach Biel. Er wird von den kurdischen Frauen bei Festen, Trauerfeiern aber auch im Kampf gegen den IS eingesetzt. Durch die Gleichberechtigung ist es für junge Kurdinnen ganz normal, Teil des bewaffneten Widerstandes zu sein. Vor allem von den IS Kämpfern wurden diese Einheiten am meisten gefürchtet, womit die Ululation auch als angsteinflössende Warnung verwendet wurde. Denn ein Kämpfer, der durch eine Frau getötet wird, kommt im Glauben des IS nicht ins Paradies. Mein Blick wandert zurück zu den jungen Mädchen, die Hand in Hand, lachend im Kreis tanzen. Der Lehrer schlägt die Daira im Takt. Bei dieser fröhlichen und offenen Herzlichkeit erinnern nur die Fotos der Gefallenen im Eingangsbereichs des «kurdischen Kulturvereins» an das andauernde Schicksal der Kurden.


Rojava ist ein de facto autonomes Gebiet im Nordosten von Syrien und entstand ab 2012 infolge der Geschehnisse des syrischen Bürgerkriegs.

Meine Empfehlung für einen Besuch
Am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr zum Tanzunterricht.